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Johann Sebastian Bach, Carl Philipp Emanuel Bach und Ludwig van Beethoven. Ein ergänzendes Kapitel zu einem ausgiebig erörterten Thema: C. P. E. Bachs Clavier-Solowerke, Cembalo-Konzerte und Sinfonien und ihr potentieller Einfluss auf Beethovens Klavierkonzerte sowie ausgewählte Klaviersolowerke

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Die Beethoven-Literatur hat sich ausgiebig mit den Spuren von Johann Sebastian Bachs Musik in Beethovens Œ uvre beschäftigt und den Bogen von Christian Gottlob Neefes Bericht von 1783, er habe dem jungen Beethoven dessen Wohltemperiertes Klavier „an die Hand gegeben“, über Beethovens in Briefen und anderen Zeugnissen geäußerte Verehrung für den „Urvater der Harmonie“ bis hin zu deren Niederschlag in den Fugen seines Spätwerks gespannt. Nur gelegentlich nahm sie hingegen Carl Philipp Emanuel Bach in den Fokus, der zu seinen Lebzeiten als Inbegriff des originellen Komponisten galt. Der Artikel geht möglichen Schnittmengen zwischen C. P. E. Bachs Cembalo-Konzerten, Sinfonien und Claviersolowerken auf der einen sowie Beethovens Klavierkonzerten und ausgewählten Klaviersolowerken auf der anderen Seite nach. Die größte Schnittmenge ergibt sich bezeichnenderweise nicht bei den Jugendwerken Beethovens, sondern bei einzelnen Klaviersonaten ab op. 27 Nr. 1 und vor allem den letzten beiden Klavie

Weshalb lohnt es sich, Originalhandschriften von Beethoven zu „studieren“?

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Von Ludwig van Beethoven sind erfreulich viele Autographen erhalten. Anders als im Falle von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart, bei denen der Kompositionsprozess insgesamt weniger aufwändig ablief und die die Fähigkeit hatten, nahezu makellose Reinschriften wie aus einem Guss zu Papier zu bringen, zeigen viele Manuskripte von Beethoven noch Spuren des gelegentlich nicht enden wollenden Kompositionsprozesses und erlauben dadurch einen aufschlussreichen Blick in seine Werkstatt. Heute sind seine Autographen denkbar leicht in den Digitalen Archiven des Beethoven-Hauses Bonn, der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, der Bibliothèque Nationale de France in Paris, der Library of Congress in Washington, der Juilliard School in New York u.a.m. einsehbar. Sie sind Informations- und Inspirationsquellen ersten Ranges. Dies gilt allerdings nicht nur für Interpreten, sondern im gleichen Maß für die Zuhörer. Das „Studium“ dieser Handschriften stellt einen wichtigen Baustein

„Geschichtsbewusstsein“ auf Verdacht. Zu Theodor Wildemans Rolle in der Zeit der NS-Herrschaft sowie seinen Verdiensten um das Beethoven-Haus und die Rettung von Kulturgütern zur Zeit des 2. Weltkriegs

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Zwei konträre Artikel über die Rolle von Theodor Wildeman, Vorstandsmitglied, und Heinrich Hasselbach, Hausmeister des Beethoven-Hauses, in der Zeit der NS-Herrschaft in Appassionato 48 und 49, der Hauszeitschrift des Beethoven-Hauses, lassen aufhorchen. Es geht um grundlegende Fragen der Beurteilung jener Zeit. Wie können einerseits individuelles Verhalten und andererseits globale Vorgaben des Regimes klar voneinander getrennt werden und angesichts einer naturgemäß lückenhaften Dokumentation fair, d.h. ohne sich allzu sehr auf puren Verdacht zu gründen, beurteilt werden? Geschichtsbewusstsein auf Verdacht. Theodor Wildeman und das Beethoven-Haus Bonn  

Beethovens frühe Bonner Förderer: Ferdinand Graf Waldstein und Hortensia Gräfin Hatzfeldt. Ein Vergleich

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Bisher ist in der Beethoven-Literatur fast ausschließlich von Christian Gottlob Neefe, Franz Anton Ries und Ferdinand Graf Waldstein die Rede, wenn es um die wichtigen Förderer Beethovens in seiner Bonner Zeit geht. Unter ihnen nimmt Ferdinand Graf Waldstein eine Sonderrolle ein, obwohl man außer Franz Gerhard Wegelers ein halbes Jahrhundert später verfassten „Biographischen Notizen über Ludwig van Beethoven“, die Waldstein als wichtigsten Förderer des jungen Komponisten und Günstling des Kurfürsten Max Franz nennen, diesbezüglich kaum handfeste Informationen hat. Ein Übriges tat der Eintrag des Grafen in Beethovens Stammbuch, das dieser 1792 anlässlich seines Abschieds nach Wien überreicht bekam. Er endet mit den Worten: „durch ununterbrochenen Fleiß erhalten Sie: Mozart’s Geist aus Haydens Händen“. Er gehört zu den meistzitierten Äußerungen  über den Komponisten und hat eine enorme Wirkung (auch auf die Biographen) entfaltet. Da sogar Beethovens erster Wien-Aufenthalt 1787 mit Waldst

Bemerkungen zu den persönlichen Beziehungen von Nikolaus Zmeskall von Domanovetz und Ludwig van Beethoven

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Die langjährigen engen Beziehungen zwischen Beethoven und dem ungarischen Beamten, Cellisten und Komponisten Nicolaus Paul Zmeskall Edler von Domanowecz und Le š tine sind in der Beethoven-Literatur ausführlich gewürdigt worden. Der vorliegende Artikel ergänzt dieses Bild durch die Interpretation eines schon lange bekannten, inhaltlich besonders aufschlussreichen Briefes von Beethoven an Zmeskall aus dem Jahre 1816. In ihm spricht Beethoven grundsätzliche Positionen seiner Lebensphilosophie und seiner Sicht auf die Beziehung zu Zmeskall an. Außerdem erweist sich die Vertrautheit und Offenheit im Umgang an der Tatsache, dass zwischen den beiden Junggesellen delikate Fragen im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht angesprochen werden. Beethoven scheint diesbezüglich viel zurückhaltender als Zmeskall gewesen zu sein. Zmeskall gehörte auch zu dem kleinen Kreis von Personen, die Beethoven mit Wortspielen, übermütigen Wort-Kaskaden und Anspielungen „auszeichnete“. Das Bild ihrer Beziehungen

Beethovens „Nobilitierungen“ von Freunden und Bekannten – Systematik und Strategie

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Über lange Jahre, spätestens seit 1798, hat Beethoven bürgerliche Freunde und Bekannte „nobilitiert“, indem er in der Anrede oder (hier viel öfter und einer weit verbreiteten Konvention folgend, mithin deutlich weniger aussagestark) in der Adresse dem Namen ein „von“ oder „v.“ oder „de“ hinzufügte. Auf die vermutlichen Hintergründe und die Motivation seines Vorgehens, das ohne Zweifel nicht auf Irrtum beruhte, sondern gezielt erfolgte, wird hier erstmals – überwiegend auf der Grundlage der Briefe von und an Beethoven – näher eingegangen. Zu betrachten ist das Phänomen vor dem Hintergrund der zeitüblichen, aber auch der ganz persönlichen Reflexion über das Selbstverständnis bzw. den Dünkel des Adelsstands versus bürgerlichem Selbstverständnis und Selbstbewusstsein, die sich zu seinen Lebzeiten generell stark veränderten. In seinem Fall ist dies aber auch vor dem Hintergrund seiner eigenen Lage als Künstler zu sehen, der sich gerne unter die Fittiche des musikliebenden Adel

Die Verdienste von Johannes Brahms um das Beethoven-Haus in Bonn

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Johannes Brahms zeichnete eine besondere Nähe zu Ludwig van Beethoven aus. Er setzte sich als Pianist, Komponist, Sammler von dessen Originalhandschriften und als Musikforscher mit Beethoven auseinander. Er tat dies im Rahmen seiner ausgeprägten musikhistorischen Interessen, die auch Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach, Mozart, Schubert und andere umfassten. Bei seinem Freund Joseph Viktor Widmann in Bern spielte Brahms 1874 auf dem Hammerflügel, den der Wiener Klavierbauer Conrad Graf Beethoven als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hatte. Er ist heute das am meisten bestaunte Exponat im Beethoven-Haus Bonn. Wie es dorthin kam und was Brahms des Weiteren mit dem Beethoven-Haus verbindet, davon wird hier berichtet. Die Verdienste von Johannes Brahms um das Beethoven-Haus in Bonn