Zum Entstehungshintergrund von Beethovens Variationen für Klavier über die englischen ‚Nationalhymnen‘ „God save the King“ WoO 78 und „Rule Britannia“ WoO 79 sowie einem möglichen Zusammenhang mit der Widmung der Klaviersonate op. 53 an Ferdinand Graf Waldstein – Eine Annäherung
Beethovens
Variationen für Klavier über „God save the King“ und „Rule Britannia“ WoO 78
und 79 entstanden 1802 und 1803. Sie sind in musikalischer Hinsicht nach den
neue Wege beschreitenden Variationen über eigene Themen opp. 34 und 35
(„Prometheus-Variationen“, besser bekannt als „Eroica-Variationen“) in gewisser
Weise ein Rückschritt. Ihr Entstehungshintergrund ist nicht bekannt. Es ist
aber auszuschließen, dass Beethoven die Werke „einfach so“ komponierte. Der
Artikel versucht, die Entstehungshintergründe der beiden Variationenzyklen und damit
u.U. verknüpft jene der Widmung der "Waldstein-Sonate" op. 53 zu
beleuchten und sie in die Zeitumstände sowie das politisch-militärische Wirken
von Ferdinand Graf Waldstein auf englischer sowie österreichisch-ungarischer
Seite einzuordnen. Waldstein hatte sich Mitte der 1790er Jahre von Kurfürst Max
Franz und dem Deutschen Orden abgesetzt. Der Artikel gibt nebenbei Einblick in
das künstlerische Leben in der von Waldsteins Freund Ludwig Graf Starhemberg
geleiteten kaiserlichen Botschaft in London, in das der ebenso illustre wie
künstlerisch begabte Waldstein aktiv integriert war. Hier trafen sich weitere
Personen aus Beethovens weitreichendem Netzwerk: Johann Peter Salomon, George
Augustus Polgreen Bridgetower, der Prince of Wales, Fürst Nikolaus II.
Esterházy de Galantha und Fürst Karl Lichnowsky, dem ein Exkurs gewidmet ist.
Ergänzt wird der Artikel um eine Schautafel, die die familiären Verflechtungen
innerhalb des vorwiegend österreichischen Hochadels in Bezug auf dieses Thema
illustriert.
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